Kurs Gdynia
Ulrich Korn, damals Gehilfe des Kommandanten auf dem KSS „Friedrich Engels“, schildert den ersten offiziellen Flottenbesuch der Volksmarine in Polen im Juli 1961 mit Salutschießen, Zeremoniell, Kranzniederlegungen, Exkursionen und Begegnungen mit polnischen Marineangehörigen. Eingerahmt wird der Bericht von einer scharfen Kritik am Buch „Im Alarmzustand“ von Ewald Tempel.
Vorbemerkungen
Da schreibt der ehemalige Fregattenkapitän Ewald Tempel (später war er Oberstleutnant der Zivilverteidigung der DDR) ein Buch mit dem Titel: „Im Alarmzustand“; Untertitel: „Zur Geschichte der Volksmarine in den kritischen 1960er Jahren“. Das ist sein gutes Recht. Nicht nur bei mir hat er damit große Erwartungen geweckt. Aber was und vor allen Dingen wie er schreibt, das ist, gelinde gesagt, hanebüchen. Manchmal hatte ich beim Lesen (ich habe mir alle 481 Seiten angetan) den Eindruck, ich hätte in einer anderen Marine und in einem anderen Stab Dienst getan. In den frühen 60er Jahren war ich Gehilfe des Kommandanten und Kommandant auf dem Küstenschutzschiff „Friedrich Engels“, also an der „Basis“ und später Oberoffizier im Kommando der Volksmarine. Ich kenne Herrn Tempel daher auch persönlich, auch aus seiner ZV-Zeit. 1968 bin ich im Ministerium für Nationale Verteidigung in Strausberg tätig gewesen.
Mit einer unbeschreiblichen Arroganz bewertet und beurteilt er in seinem Buch Dinge, Sachverhalte und am schlimmsten: Personen. Letztere, seine ehemaligen „Kollegen“ und auch die Vorgesetzten kategorisiert er in einfältige, ideologisch fanatisierte, gleichgeschaltete (also dumme), politische Hardliner und kritische, kluge Marineoffiziere. Er selbst ist natürlich einer der „Klugen“. Gründliche Recherchen sind auch nicht so sein Ding. Er hat zwar Reisen auf Küstenschutzschiffen als Badegast mitgemacht, kann sich aber nur an die taktische Nummer, nicht an den Namen des Schiffes erinnern. Es wäre wohl nicht so schwer gewesen das herauszufinden! Vielleicht wollte er es auch nicht, denn er meint ja, unsere Schiffsnamen wären nicht identitätsstiftend gewesen. Anscheinend kann er das ja besser mit Schiffsnamen der Bundesmarine wie Lütjens, Mölders oder Rommel. Die nennt er nur, ohne dazu eine Meinung zu äußern.
Auch stellt er lieber Behauptungen auf, die er nicht beweist, und Vermutungen an, die er nicht beweisen muss. Unter anderem schreibt er im Zusammenhang mit den Navigationsbelehrungsfahrten der KSS in die Nordsee in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre folgendes: „Für die Besatzungen waren diese Hochseefahrten ein größeres Erlebnis als der meist triste Besuch eines Ostseehafens in Polen oder der UdSSR.“ Ich stelle nicht den Erlebniswert dieser Fahrten in Frage und will auch nicht untersuchen, welche Erlebnisse wertvoller für die jeweiligen Teilnehmer waren. Aber „triste Besuche“ in Polen und der UdSSR? Ich bin mehrfach mit Schiffen der Volksmarine in beiden Ländern und verschiedenen Häfen gewesen, bei Ausbildungsfahrten, den „Tagen des Meeres“ oder bei Manövern. Dabei habe ich andere Erfahrungen gemacht als Herr Tempel; und sicher nicht nur ich. Unter den Beiträgen die ich für die KSS-Vereinshefte bisher noch im Kopf gespeichert habe, ist auch eine Beschreibung des ersten offiziellen Flottenbesuches in Polen. Den schreibe ich jetzt mal auf. Vielleicht liest ihn ja auch Herr Tempel.
Kurs Gdynia – der erste offizielle Flottenbesuch der Volksmarine 1961
Schiffe und Boote der „Seestreitkräfte“ und später der „Volksmarine“ waren schon seit Jahren zu Gast in polnischen oder sowjetischen Häfen. Das erste Schulschiff „Ernst Thälmann“ war bei Navigationsbelehrungs- oder Ausbildungsfahrten bis zum damaligen Leningrad gekommen, Küstenschutzschiffe weilten mehrmals zu den „Tagen des Meeres“ in Gdynia, bei und nach gemeinsamen Übungen liefen teilnehmende Schiffe und Boote der Volksmarine polnische oder sowjetische Stützpunkte an.
Nachdem die Polnische Seekriegsflotte 1961 einen offiziellen Flottenbesuch in Rostock abstattete, war der erste offizielle Flottenbesuch von Schiffen der Volksmarine in Polen nicht mehr fern. Ein offizieller Flottenbesuch unterscheidet sich von den vorher genannten Besuchen dadurch, dass es dazu eine Übereinkunft der Regierungen der beteiligten Staaten gibt, um die Beziehungen untereinander zu festigen. Die Schiffe und Boote, die diesen Besuch abstatten, handeln also direkt im Auftrag ihrer Regierung. Für den Ablauf gibt es ein vorher abgestimmtes Programm und ein streng festgelegtes Zeremoniell.
Im Sommer 1961 bereitete die Volksmarine nun den Gegenbesuch in Polen vor. Es wurde ein Schiffsverband, bestehend aus einem Küstenschutzschiff und drei Minenleg- und räumschiffen vom Typ „Krake“ und ein Verbandsstab gebildet. Zum Verbandschef wurde der damalige Chef der 4. Flottille, Kapitän zur See Johannes Streubel, bestimmt. Flaggschiff des Verbandes wurde das KSS „Friedrich Engels“ (Kommandant Dieter Dembyani). Ich war zu dieser Zeit „Gehilfe des Kommandanten“ (GdK) auf diesem Schiff.
In Saßnitz begannen auf der „Friedrich Engels“ nun die Vorbereitungen für diese Aufgabe. Es wurde gepönt, gewienert, neue Persennings genäht, die Ausrüstung vervollständigt und vieles Andere mehr, was notwendig war, um schon vom Äußeren unser Land würdig zu vertreten. Leider konnten nicht alle Besatzungsangehörigen an der Reise teilnehmen. Neben den Offizieren des Verbandsstabes, hatten wir auch das Stabsmusikkorps der Volksmarine an Bord aufzunehmen, wenn auch im verkürzten Bestand. Also wurde großzügig Urlaub gewährt und auch einige Leute auf die daheim bleibenden Schiffe verteilt. Außerdem bereiteten wir uns nautisch auf die Fahrt vor und übten für das vorgesehene Zeremoniell. In wenigen Tagen glänzte das Schiff wie neu, die Maschinenanlage war fit für die Reise, die Besatzung gut vorbereitet, die Uniformen auf Vordermann gebracht – es konnte losgehen. Zwei Tage vor dem geplanten Auslauftermin aus Warnemünde verlegten wir dorthin und machten an der Pier des Seehydrografischen Dienstes (Tonnenhof) fest. Nun wurde nochmals die Ausrüstung ergänzt (Messeausstattung, Verpflegung usw). Die Schiffsführungen erhielten letzte Instruktionen, Gäste stiegen an Bord.
Am Morgen des 19.07. fand eine feierliche Verabschiedung der Schiffe im Stützpunkt Warnemünde statt. Danach legte die „Friedrich Engels“ ab. Die drei MLR-Schiffe verließen den Stützpunkt. Auf Reede Warnemünde formierte sich der Verband zu Kiellinie und „dampfte“ in Richtung Polen. Das Wetter war gut, die Stimmung auch. Abends spielten Musiker des Stabsmusikkorps für die Besatzung flotte Weisen – das Kartoffelschälen ging noch mal so schnell.

Am Morgen des 20.07., es war ein Donnerstag, näherte sich der Verband der polnischen Küste. Die Besatzung und alle Gäste legten Parade- bzw. Ausgangsuniform an. Noch vor der Ansteuerungstonne Gdynia kam ein polnischer Minensucher längsseits und der Verbindungsoffizier stieg an Bord. Mit Erreichen der polnischen Hoheitsgewässer schießen die 100mm-Geschütze der „Friedrich Engels“ 21 Schuss Landessalut. Die Küstenbatterie von Kopa Oksywska erwidert den Gruß. Kurz darauf liefen wir in Gdynia ein. Auf der Pier stand eine Ehrenformation und ein Orchester der Polnischen Seekriegsflotte. Hunderte Menschen säumten den Platz. Das Leinenkommando übernahm unsere „Festmacher“. Auch die drei MLR-Schiffe waren kurz darauf hinter uns im „Päckchen“ fest.
Die Besatzungen standen in Paradeaufstellung an Deck. Dann ertönte ein kurzes Trompetensignal und mehrere Kommandos. Die Ehrenformation präsentierte das Gewehr – ebenso unser Ehrenzug, der vor dem Torpedorohrsatz angetreten war. Nun intonierte das polnische Orchester die Nationalhymne der DDR. Das Stabsmusikkorps der Volksmarine, das auf dem Achterschiff Aufstellung genommen hatte, spielte danach die polnische Nationalhymne. Ein Trompeter des Stabsmusikkorps der Volksmarine blies das Signal „Front nach Backbord“ und Kapitän zur See Szimonski von der Polnischen Seekriegsflotte und der Militärattache´der DDR in der Volksrepublik Polen, Oberst Engels, begaben sich zur Begrüßung des Verbandes an Bord. Anschließend geht der Verbandschef, Kapitän zur See Streubel, von Bord. Er grüßt die Fahne, schreitet die Ehrenformation ab und begrüßt die angetretenen Offiziere, Maate und Matrosen der PSKF. Damit ist die Begrüßungszeremonie beendet. Die Ehrenformation und das Orchester rücken ab.
Während für einen Teil der Besatzungen die nach einem Anlegen im Hafen notwendigen Arbeiten zu erledigen sind, bereiten sich andere auf die nächsten Aufgaben vor. Alles unter den Augen der zahlreich auf der Pier anwesenden Gdynier. Die ersten Matrosen machen sich bereits „landfein“, denn gegen 10.00 Uhr wird sie ein Bus zu einem Ausflug nach Oliwa zum Orgelkonzert in der Kathedrale abholen. Inzwischen sind auf der Pier mehrere Autos vorgefahren. Sie holen Kapitän zur See Streubel zu seinem Antrittsbesuch beim Chef der Polnischen Seekriegsflotte ab. Anschließend wird er noch die kommunalen „Größen“ der Stadt besuchen.
In dieser Zeit wird die Offiziersmesse zum Empfang vorbereitet. Weiße Tischtücher sind gedeckt, Porzellan, blitzende Gläser, und kleine „Häppchen“ stehen bereit. Dem Verbandschef bleibt nur wenig Zeit nach seiner Rückkehr an Bord der „Friedrich Engels“ um sich frisch zu machen, denn bald darauf empfängt er die zum Gegenbesuch erscheinenden Gäste der PSKF und der Stadt Gdynia. Kommandant, Ehrenzug und Stellingsmaaten begrüßen und verabschieden diese. Es geht also alles streng nach Protokoll. Das ist ganz schön anstrengend für alle Akteure, aber ich glaube, sie taten es gern und waren mit Eifer bei der Sache.
Gegen 14.00 Uhr formiert sich vor den Schiffen eine Ehrenformation der Volksmarine, gestellt von allen Schiffen des Verbandes. Kommandiert wird die Formation wie auch der Ehrenzug des Flaggschiffes von Kapitänleutnant Horst Metzschke. Sie sind die militärische Begleitung des Verbandschefs bei Kranzniederlegungen auf dem Friedhof in Gdansk, an den Gräbern sowjetischer Soldaten, die bei der Befreiung der Stadt fielen, sowie an den Gräbern der „Helden der Westernplatte“. Diese Kranzniederlegungen finden anderentags große Beachtung in der polnischen Presse. Damit ist das offizielle Programm des ersten Tages fast absolviert.

Inzwischen hatten die Besatzung und Gäste ein wenig Geld in der Landeswährung erhalten. Nicht viel, aber es reicht für eine Erfrischung beim Landgang, und ein kleines Souvenir. Landgang gibt es bis 22.00 Uhr für max. 50% der Besatzungen. Hier muss bemerkt werden, dass man in Gdynia nicht nur gute Erfahrungen mit ausländischen Matrosen bei Flottenbesuchen machte. Umso höher schätzte man die Disziplin und das Benehmen unserer Matrosen ein. Ich machte zum wiederholten Male die Erfahrung, dass unsere „Seelords“, stolz auf ihr Land, stolz auf ihre Schiffe, stolz auf ihre Uniform, im Ausland immer sehr korrekt auftraten. Und das nicht gezwungenermaßen, sondern aus eigenem Antrieb.
Am Abend folgten der Verbandsstab und die Kommandanten der Schiffe einer Einladung des Chefs der PSKF zu einem Essen im Offizierskasino in Gdynia.
Während am zweiten Besuchstag der Verbandschef und einige Offiziere zur Visite beim polnischen Verteidigungsminister nach Warschau flogen, war der Tag für die Besatzungen mit Exkursionen nach Sopot und der Werft ausgefüllt. Andere waren zu einem Mittagessen im Marinekasino in Oksywie eingeladen. Am Abend nahmen eine Reihe von Offizieren, Maaten und Matrosen an einer Feier Im Offiziershaus in Oksywie teil. Bei aller Arbeit, die man als GdK bei so einem Besuch hat, war ich an diesem Abend dabei. Rührend wurden wir von den in unserer Nähe sitzenden Offizieren und deren Ehefrauen umsorgt und hatten viele anregende Gespräche. So lernten wir Zofia kennen, die Gattin eines polnischen Marineoffiziers, die uns viel Interessantes über polnische Lebensweisen und die Lebenssituation im Polen jener Zeit erzählte. Das half, manches, für uns nicht gleich Erklärbare besser zu verstehen. So waren wir etwas erstaunt darüber, als wir polnische Offiziere mit der gesamten Familie morgens in die Kirche gehen sahen. Die Rolle der katholischen Kirche in Polen war uns ja doch ziemlich unbekannt. Tja, daran hatten unsere Politleute nicht gedacht.

Das Programm der folgenden beiden Tage war ausgefüllt mit Exkursionen, Mittagessen für polnische Offiziere, Maate und Matrosen bei uns an Bord Partys und auch Tanzabenden. Das Beeindruckendste war jedoch für uns alle das Interesse der Polen an unseren Schiffen, als diese zur Besichtigung freigegeben waren. Während unser Stabsmusikkorps auf der Seepromenade Konzerte gab, drängten sich auf der Pier eine Unmenge Leute mit Kind und Kegel, um an Bord zu kommen. Unsere Matrosen hatten im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, um den Verkehr an und von Bord zu regulieren. Die anderen erläuterten auf den Gefechtsstationen die Waffen und Geräte. Wenn die Leute erst an Bord waren, waren sie faktisch außer Kontrolle. So ist es kein Wunder, dass einer unserer Offiziere am Abend in seiner Kammer, einen kleinen polnischen Jungen schlafend auf seiner Koje vorfand. Unsere Lords hätten sicher gerne engeren Kontakt mit den hübschen polnischen Mädchen geschlossen. Das war aber kaum zu machen.
Ein für mich bleibendes Erlebnis war die Aufführung der polnischen Nationaloper „Halka“ in der Waldbühne von Sopot. Ich habe kein Wort verstanden, konnte aber der Handlung gut folgen und mich an der Musik und den schönen Stimmen erfreuen. Dazu kam die Natur als Kulisse und eine unvergleichliche Inszenierung z.B. mit „echt“ brennenden Häusern.
Nachdem sich am Montag unser Verbandschef beim Chef der PSKF verabschiedet hatte, nahmen wir Abschied. Wieder waren Ehrenkompanie und Musikkorps auf der Pier angetreten. Nochmals erklangen die Hymnen. Dann lösten sich um 10.00 Uhr unsere Schiffe vom Kai. Unser Musikkorps spielte das obligatorische „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“. Die Besatzungen winkten den hunderten von Menschen ganz unmilitärisch mit den Mützen. Alles in allem war ein klein wenig Wehmut dabei. Bald verlor sich die polnische Küste am Horizont.
In mein kleines Fotoalbum, das ich in einem als Geschenk erhaltenem Lederband von dieser Reise anlegte, steht auf der letzten Seite: „Aber es bleibt die Erinnerung und die Gewissheit, gute Freunde in Polen zu haben“
Ähnlich dachten sicher viele die an diesem Flottenbesuch teilnahmen. Noch lange wurde in den Messen und den Decks über dieses Erlebnis gesprochen. Von einigen Dingen waren wir sichtlich beeindruckt. Manche regten auch zum Nachdenken an – zum Beispiel über die Verhältnisse in der DDR und in der Volksmarine. Wenn ich heute mit ehemaligen Küstenschutzschiffsfahrern zusammentreffe, sind die Flottenbesuche neben vielen anderen Themen immer wieder Gesprächsstoff. Von Tristesse jedenfalls keine Spur.
Nachbemerkungen
Um noch einmal auf Herrn Tempel zurückzukommen: Neben dieser einen Sentenz, bedient er in seinem Buch alle heute und schon früher in der alten BRD gängigen Klischees über die DDR, die NVA und die Volksmarine. Wortwahl und Stil sind so gewählt, dass ein westdeutscher Leser (für den dieses Buch offensichtlich geschrieben wurde) sagen kann: „Siehste, das haben wir ja schon immer gewusst und gesagt“. Besonders in den Abschnitten, in denen er Persönliches zur Familie, Herkunft, allgemeinen Lebensverhältnissen, seine politische Sichtweise und seine Ansichten zum Offiziersberuf in der Volksmarine darlegt, verlässt er den objektiven und sachlichen, angemessenen und exakten Ton, den er angeblich besonders schätzt und greift tief in die Terminologiemottenkiste des Kalten Krieges – und legt noch etwas drauf.
Ich wollte Beispiele dafür bringen aber nach nicht einmal der Hälfte der „Lektüre“ hatte ich so viele Merkzettel im Buch zu stecken, das ich im Weiteren davon absah. Hier nur einige:
- Schiffe und Boote der VM werden meist mit der NATO-Bezeichnung genannt. So sind eben unsere Küstenschutzschiffe „Fregatten vom Typ Riga“.
- Städte und Häfen in Polen und der UdSSR erhalten grundsätzlich den alten deutschen Namen.
- Besonders alle ehemaligen Angehörigen der Kriegsmarine werden hoch gelobt, solche von hüben wie auch von drüben (teils zu Recht). Die nachfolgenden Generationen der Führungskräfte der Volksmarine waren dagegen nur zweite und dritte Wahl.
- Schiffe und Boote der Bundesmarine und der Ausbildungsstand der Besatzungen werden bewundert, die der Volksmarine eher mies gemacht.
- Demütigungen und Schikane gehörten seiner Meinung nach zum ganz normalen Alltag in der VM.
- In Kuba fand 1959 keine Revolution, sondern der „Castro-Putsch“ statt und der ist der „rote kubanische Diktator“.
- Der Matrosenaufstand 1918 und seine Würdigung in der Volksmarine war die Verherrlichung einer Revolte an Bord von Kriegsschiffen.
So geht das munter weiter. Bei wem will sich Herr Tempel bloß damit anbiedern? Aus meiner Sicht bewegt er sich in einigen Passagen gefährlich nahe am ganz rechten Rand des politischen Spektrums. Für mich kann ich (mit Anleihe bei Goethe) nur sagen: „Ewald, mir graut´s vor Dir!“
Nach der so genannten „Wende“ hing vor dem Landratsgebäude hier in Strausberg (mit „s“ und nicht mit „ß“ wie Herr Tempel permanent schreibt) ein Transparent der „Bürgerbewegten“ mit einem Spruch von Wilhelm Busch:
„Das sind die Praktiker der Welt,
die über Nacht sich umgestellt,
die sich zu jedem Staat bekennen:
Man könnte sie auch Lumpen nennen.“
Gerichtet war er von den Initiatoren gegen die Verwaltungsangestellten, die auch unter den damaligen Bedingungen ihre Aufgaben weiter erfüllten. Wer hätte es auch sonst tun sollen? Ich bin mir sicher, Busch meinte all jene, die sich nach grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen schnellstens anpassen und den neuen Herren zum Munde reden (oder schreiben). Damit will ich es bewenden lassen. An Stelle einer ausführlichen Rezension: Das Buch ist das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist.
— Ulrich Korn
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