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Wappen der Marinekameradschaft KSS e.V. Warnemünde: Anker mit LorbeerkranzDie Geschichte von KSSKüstenschutzschiffe der Volksmarine 1956–1990
Amüsantes

Verbotene Fotos (Erinnerungsbericht)

Hartwig Niemann, Kesselgast und späterer Fahrmaat der Erstbesatzung des KSS 1-61, erzählt, wie er 1957 verbotenerweise mit seiner „Altix V“ Aufnahmen im Kessel- und Turbinenraum machte, von der Abwehr zur Rede gestellt wurde und Film und Bilder abgeben musste. Er vermutet, dass die in Teil 4 veröffentlichten „verbotenen Bilder“ von Klaus Maaß aus dieser Serie stammen.

Es war im Jahr 1957 als ich in das Blickfeld der damaligen Abwehr unserer Marine (Seestreitkräfte) geriet. Was war geschehen? 1956 hatte ich mich im Rahmen des damaligen FDJ-Aufrufes in der Mathias Thesen Werft Wismar, wo ich meinen Facharbeiter als Stahlschiffbauer abgeschlossen habe, freiwillig bereit erklärt, 3 Jahre und 9 Monate meinen Dienst bei der Marine der DDR ( damals noch Volkspolizei See ) zu leisten. So gehörte ich dann im Dezember 1956 als Kesselgast (GA-V) zur Erstbesatzung des KSS 1-61. Ein halbes Jahr vor meiner Entlassung aus dem aktiven Dienst wurde ich durch meinen damaligen Kommandeur, den sehr fähigen und technischen versierten LI (Ob.Ltn. Ing. Mädel) als Fahrmaat eingesetzt.

Fotografieren war schon immer mein Hobby. Meine erste Kamera war eine Box, mit der mein Großvater schon Aufnahmen auf der „ Wilhelm Gustloff“ fotografiert hatte. 1957 war ich stolzer Besitzer einer „Altix V“ mit auswechselbarem Objektiv. Mit dieser Kamera fotografierte ich einige technische Anlagen im Kessel- und Turbinenraum des KSS. Natürlich war ich mir darüber im Klaren, dass dieses Unternehmen verboten war. Ich ging das Risiko aber trotzdem ein. Mir ging es einfach darum einige Erinnerungsfotos zu schießen – nicht mehr und nicht weniger. Viel weiter habe ich dabei als 19jähriger auch nicht gedacht. Den Film ließ ich in Wismar bei einem öffentlichen Fotografen entwickeln. Die Aufnahmen waren gelungen und ich bestellte noch Bilder in Postkartengröße dazu. Einige von diesen Aufnahmen habe ich dann im Deck 6 an die Kameraden weitergegeben.

Etwa zwei Monate vor meiner anstehenden Beförderung zum Obermatrosen im Jahre 1957, es muss im Monat August oder September gewesen sein, kam dann die böse Überraschung. Ich war während des Reinschiffs eingeteilt für das Vordeck. Plötzlich musste ich diese Tätigkeit unterbrechen und mich in der LI-Kammer melden. Dort empfing mich ein Oberleutnant Wolter und befragte mich nach diesen Fotos. Als er mir dann eine Aufnahme in Postkartengröße auf den Tisch legte, half kein Leugnen mehr.

Ich musste damals den Film abgeben und auch die Aufnahmen, die sich noch in meinem Besitz befanden. Natürlich konnte ich während des Gespräches nicht alle benennen, denen ich Bilder übergeben hatte. Anscheinend sind nun doch einige Aufnahmen erhalten geblieben. Heute haben diese Fotos nicht nur für mich, sondern sicher auch für andere schon einen ideelen Wert. Die 1-61, die spätere „Ernst Thälmann“ gibt es nicht mehr. Sie wurde verschrottet. Geblieben ist die Erinnerung. Die Erinnerung an eine Zeit, die für mich noch heute tief im Innern verwurzelt ist. Es war eine aufregende und schöne Zeit auf diesem Schiff als Kesselgast und späterer Fahrmaat Dienst für unsere Sache zu leisten. Zum Obermatrosen, wurde ich trotz meines Fehlverhaltens befördert. Im November 1959 erfolgte in Ehren die Entlassung aus dem aktiven Dienst als Maat der Reserve.

Anmerkung: Die Aufnahmen, die im Heft 4 der „Marinekameradschaft KSS e.V. Rostock-Warnemünde“, auf den Seiten 9 und 10 zu dieser Problematik „verbotene Bilder“ veröffentlicht wurden, gehörten – ich bin mir da ziemlich sicher - zu diesen von mir fotografierten Aufnahmen. Ich komme zu diesem Schluss, weil Klaus Maaß, der heute noch im Besitz einiger dieser Aufnahmen ist und diese für die Veröffentlichung in der Broschüre zur Verfügung stellte, mit mir in einem Deck geschlafen und ebenfalls im gleichen GA-V gedient hat. So ist wenigsten ein winziger Teil aus unserer gemeinsamen und vielfältigen Vergangenheit erhalten geblieben. Urheberrechtliche Ansprüche stelle ich natürlich nicht.

— Hartwig Niemann

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