Anhang 1: Wendezeit in der 4. Flottille – eine chronologische Darstellung
Abschrift der chronologischen Darstellung, die der letzte Chef der 4. Flottille, Kapitän zur See Fechner, zur Auflösung der Flottille anfertigen ließ. Sie verzeichnet Monat für Monat die Ereignisse vom 40. Jahrestag der DDR bis zur Kommandoübergabe an die Bundesmarine am 5. Oktober 1990.
Auf Weisung des letzten Chefs der 4. Flottille, Kapitän zur See Fechner, wurden mit der Auflösung der Flottille nochmals alle wichtigen, die Flottille betreffenden Ereignisse von Oktober 1989 bis Oktober 1990 aufgelistet. Eine Ausfertigung dieser chronologischen Darstellung befindet sich im Besitz von Kamerad Steike. Die Aufstellung endet am 05.10.1990; deshalb auch im Kopf des Dokumentes die ab 03.10.1990 gültige Bezeichnung „Bundeswehrkommando Ost – 4. Flottille“:
Im folgenden eine Abschrift des Dokumenteninhaltes:
Oktober 1989
03.10. In der Flottille wird der 40. Jahrestag der DDR vorbereitet. Die Vorbereitung der Flottenparade bindet eine Vielzahl von Kräften und Mitteln. Aus Anlass des Jahrestages werden 159 Angehörige der Flottille ausgezeichnet bzw. befördert.
07.10. Stehende Flottenparade im Rostocker Stadthafen. Von der 4. Flottille nehmen teil: - von der 4. Sicherungsbrigade: die Schiffe 223, 243, 321,323 - von der 4. KSS-Brigade: das Schiff 143 - Schulschiff S 41 Das Schiff 241 verlegt in den Stadthafen Wismar zur Besichtigung durch die Bevölkerung.
09.10. Die Ereignisse um den 7. Oktober und die weitere Zunahme der Ausreisewelle in die BRD verstärken die Zweifel an der Richtigkeit der Politik der Regierung der DDR und der Führung der SED. In allen Bereichen der Flottille werden die Ereignisse im Lande stark diskutiert.
19.10. Die Ergebnisse der ZK-Tagung, die Ablösung von Spitzenfunktionären der SED und die Wahl von Egon Krenz zum neuen Generalsekretär stehen im Mittelpunkt der Diskussionen unter den Armeeangehörigen und Zivilbeschäftigten.
- – 19.10. 4. Taktisches Training der UAW-Kräfte der VM im Übungsgebiet 054. Teilnehmer sind die Schiffe 142, 143, 223, 241, 242 und 243. Als Leiter der Ausbildung ist der Chef der 4. KSSBr, Fregattenkapitän Zumkeller, eingesetzt.
30.10. Die Schiffe der Projekte 1159 und 133.1 werden mit turboreaktiven Geschossen („DüppelWerfer“) aus DDR-Produktion ausgerüstet. Die Maßnahmen zur Auswertung des Ausbildungsjahres 1988/89 und der Vorbereitung des neuen Ausbildungsjahres werden im Führungsorgan der Flottille im wesentlichen abgeschlossen.
November 1989
09.11. Die unvermittelte Öffnung der Grenzen zur BRD durch die Regierung der DDR ist HauptGesprächsthema in allen Kollektiven. Die Entwicklung in der DDR, ihre Rasanz und Widersprüchlichkeit spiegelt sich im Stimmungs- und Meinungsbild wider. Die Hauptthemen der
Diskussion beziehen sich auf die weitere Entwicklungsrichtung der DDR. Viele setzen große Hoffnungen auf eine eigenständige staatliche Entwicklung der Republik unter neuen Bedingungen.
15.11. Die Führungsdokumente der politischen und Gefechtsausbildung für das Ausbildungsjahr 1989/90 werden an die Truppenteile übergeben. In allen Bereichen wird das Ausbildungsjahr 1988/89 ausgewertet und das neue Ausbildungsjahr vorbereitet. Die 4. KSSBr. wird zum zweiten Mal als „Bester Truppenteil“ ausgezeichnet.
30.11. Die Einführung neuer Grundsatz-Dienstvorschriften wird vorbereitet.
Dezember 1989
01.12. Das Ausbildungsjahr 1989/90 wird eröffnet. Die politischen Ereignisse stehen nach wie vor im Mittelpunkt der Diskussionen. Eine Militärreform wird angekündigt. Viele Offiziere halten die angekündigten Maßnahmen für unzweckmäßig. Es beginnt die Umwandlung der Politorgane in den Bereich „Staatsbürgerliche Arbeit“ (SBA). Die Parteikontrollkommission wird aufgelöst. Die Parteigrundorganisationen lösen sich eigenständig auf. Der außerordentliche Parteitag der SED-PDS wird zur Kenntnis genommen, löst aber keine besonderen Aktivitäten aus. Seit September 1989 werden in der Flottille 33 Fahnenfluchten registriert. Zur Bewältigung der vielfältigen Probleme im militärischen Alltag setzt der Chef der Flottille eine unabhängige Arbeitsgruppe ein. Ihre Aufgabe ist die Klärung und Untersuchung von Kritiken, Hinweisen und Vorschlägen, die aus durchgeführten Foren mit dem Personalbestand oder aus Eingaben resultieren.
- – 21.12. Ausbildungsfahrt des Schulschiffes S 41 im Bereich Ostsee. Durchführung der gemeinsamen UAW-Ausbildung im Übungsgebiet 054 mit folgenden Teilnehmern: 142, 143, 221,222,223, 242,243,244. Als Ausbildungsleiter ist Fregattenkapitän Zumkeller eingesetzt.
10.12. Außerdienststellung des HMAW-Schiffes 346
14.12. Die Streifentätigkeit im Standort und in bisher festgelegten Reisezügen wird eingestellt.
19.12. Auf Befehl des KVM werden Angehöriger der UA Nachrichten zur Auflösung der MfSKreisdienststelle Bad Doberan eingesetzt.
- – 31.12. Jeweils 50% der Armeeangehörigen begehen das Weihnachtsfest und den Jahreswechsel bei ihren Familien. Die Gefechtsbereitschaft ist gewährleistet.
31.12. Die personelle Auffüllung der 4. Flottille beträgt bei UaZ = 98%, bei SaZ = 92,7%, bei Soldaten im GWD = 123,4%, bei Soldaten im Reservistenwehrdienst = 57,9%. Der Auffüllungsstand gewährleitet die Erfüllung aller, der Flottille gestellter, Aufgaben.
Januar 1990
02.01. Weitere Maßnahmen der Militärreform werden angekündigt, festgelegt bzw. empfohlen. Dazu gehören die Bildung von Sprecherräten und Soldatensprechern auf Bataillons- und Kompanieebene und die Ankündigung der Verkürzung und Veränderung der Wehrdienstzeit bei UaZ/SaZ auf 24 Monate und bei Wehrpflichtigen auf 12 Monate. In Vorbereitung der damit verbundenen vorzeitigen Versetzungen in die Reserve muss die Ausbildungsplanung für das 1. Ausbildungshalbjahr 1989/90 präzisiert werden.
11.01. Die ersten Sektionen eines Verbandes der Berufssoldaten bilden sich. Die Delegierten für den ersten Verbandstag werden gewählt.
16.01. Außerdienststellung des Tankers C 442 („Poel“)
26.01. Im Zuge der verkürzten Dienstzeiten werden vorzeitig 163 UAZ, 240 SaZ und 17 Soldaten im GWD entlassen.
29.01. Außerdienststellung des HMAW-Schiffes 323.
30.01. Flottillenmusterung anlässlich der Übergabe der Dienstgeschäfte des Chefs der 4. Flottille von Konteradmiral Müller an Kapitän zur See Fechner. Als Stellvertreter des Chefs und Stabschef wird Fregattenkapitän Schneider mit dem Zusatz m.d.F.b. (mit der Führung beauftragt) eingesetzt.
Februar 1990
01.02. Nach den Entlassungen im Januar beträgt der Auffüllungsstand der Flottille nur noch 71%. Die personelle Unterbesetzung zwingt zu Teilkonservierungen der Schiffe 142, 221, 222, 224, 321, 345 und K-43. In der Flottille werden Kaderkommissionen gebildet, die später zu Personalräten umgebildet werden.
05.02. Für die Armeeangehörigen wird die Einführung der 43,75 Stundenwoche vorbereitet. Nach Beratung aller dazu notwendigen Maßnahmen wird ihre Einführung in Verbindung mit einem neuen Rahmendienstplan befohlen.
13.02. Außerdienststellung des HMAW-Schiffes 326
20.02. Die Maßnahmen zur Auflösung der Diensteinheit der Verwaltung 2000 (Militärabwehr) in der 4. Flottille werden abgeschlossen.
23.02. – 01.03. Die „Woche der Waffenbrüderschaft“ wird durchgeführt. Im sozialistischen Wettbewerb entfällt die ursprünglich geplante Massenkontrolle. Der Wettbewerb wird neu so organisiert, dass er: - unmittelbar durch die Kommandeure/Leiter zu organisieren und an die militärischen Aufgaben anzulehnen ist, - nicht mehr an die immer noch gültige Wettbewerbsdirektive des MfNV gebunden ist, - schwerpunktmäßig auf den Erwerb einer fachlichen Klassifizierungsstufe ausgerichtet sein sollte.
28.02. Der ehemalige Manöverbasierungspunkt Darßer Ort ist auf Befehl des Chefs der Volksmarine zur Übergabe an einen anderen Nutzer (Gemeinde Prerow oder Seefahrtsamt) vorzubereiten. Im weiteren erfolgt keine Übernahme sondern die zunehmende mutwillige Zerstörung von Anlagen. Die Herauslösung aller Parteiorganisationen (einschließlich der gesamten Parteinachweisführung) aus der NVA ist abgeschlossen.
März 1990
01.03. Der „Tag der NVA“ wird als Treffen der Zivilbevölkerung mit Soldaten auf dem Territorium der
- Flottille gestaltet. Aus Anlass des Tages erfolgen Beförderungen und Auszeichnungen. Die für den 18.03. ausgeschriebenen Volkskammerwahlen, die weitere Fortsetzung von Maßnahmen der Militärreform und die aus der Personalreduzierung entstandenen Probleme der Ausbildung und Sicherstellung stehen im Mittelpunkt der Diskussionen und Führungsentscheidungen.
14.03. Außerdienststellung des HMAW-Schiffes 321
- Dekade Die neu zusammengestellten Besatzungen der Kampfschiffe laufen zu ihrer ersten Seeausbildung aus. Die Ausbildungsmaßnahmen verlaufen ohne besondere Vorkommnisse.
30.03. Auf Grundlage personeller Berechnungen bzw. weiterer planmäßiger Entlassungen beginnen die Vorbereitungen zur Präzisierung des Kalenderplanes der Maßnahmen der 4. Flottille für das 2. Ausbildungshalbjahr 1989/90.
April 1990
Das Ergebnis der Volkskammerwahl, die politischen Ereignisse und die weiteren Maßnahmen der Militärreform bestimmen die Diskussionen. Die Regierungserklärung de Maizieres wird überwiegend zustimmend zur Kenntnis genommen. Die Benennung Rainer Eppelmanns als Minister für Abrüstung und Verteidigung verblüfft die Mehrheit der Soldaten. Die Einsetzung von Admiral Hoffmann als Chef der NVA wird positiv aufgenommen.
14.04. Außerdienststellung des HMAW-Schiffes 345. Das Außerdienststellungsprogramm für HMAWSchiffe des Projektes 89.2 ist damit in der Flottille abgeschlossen (5 von 12 Schiffen).
15.04. Der Standortschießplatz Rosenort wird geschlossen. Die vollständige Auflösung ist bis Dezember 1990 vorgesehen.
26.04. Es werden weitere 104 UaZ, 141 SaZ und 71 Soldaten im GWD entlassen.
Mai 1990
01.05. Nach den letzten Entlassungen beträgt der Auffüllungsstand der Flottille noch 56%. Die Planung der Gefechtsausbildung für das 2. Ausbildungshalbjahr 1990 wird erneut präzisiert. Personell einsatzklar sind nur noch die Schiffe 143, 241, 243, 324,325, 342, 343, 344, K41, K42, A441 und S41.
05.05. Die Vorbereitungsmaßnahmen zur Stationierung eines SAR-Hubschraubers des SARKommandos Rostock werden abgeschlossen. Die medizinische Sicherstellung erfolgt durch das MZ-4.
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– 15.05. Offizieller Freundschaftsbesuch der Schiffe 221 und 243 bei der BRF in Baltijsk. Kommandeur: Kapitän zur See Fechner.
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– 27.05. Die unmittelbare Vorbereitung der Teilnehmer und des Stabes für das Gemeinsame Geschwader wird durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen. Geschwaderführung: - Kommandeur: Kapitän zur See Fechner - Stellv./SC: Kapitän zur See Steike - Stellv. Für SBA: Kapitän zur See Sohn - Stellv. RD: Fregattenkapitän Stephan.
30.05. Die Herauslösung des SHD-4 aus dem Bestand der 4. Flottille wird laut einem Plan der Maßnahmen begonnen und ist bis zum 30.09. abzuschließen. Ab 01.10. ist die Unterstellung unter den SHD-18 bei gleichzeitiger Vorbereitung zur Übernahme durch das Verkehrsministerium vorgesehen.
Juni 1990
- – 19.06. Teilnahme der Schiffe 143, C 441 („Usedom“) und E 111 am Gemeinsamen Geschwader. Einsatzgebiete sind die Ostsee und das Ostseeausgänge bis Kap Skagen. Dabei erfolgen am 18.06. Vorführungen des Geschwaders in See vor dem Minister für Abrüstung und Verteidigung Rainer Eppelmann und dem Chef der NVA Admiral Hoffmann. Das Geschwader wird durch die Schiffe 241, 243, 324, 342 und 344 sichergestellt.
05.06. – 09.07. Große Fahrt des Schiffes S 41 mit Anlaufen der Häfen Plymouth, Gdynia und Riga. Kommandeur der Fahrt: Kapitän zur See Dr. Auerbach (OHS).
- – 13.06. Taktisches Training der UAW-Kräfte im Gebiet Baltijsk. Teilnehmer sind die Schiffe 221, 241 und 243. Leiter der Ausbildung: Fregattenkapitän Kromrey.
07.06., 18.00 Uhr Mit sofortiger Wirkung wird auf Weisung des MfAV die Aufklärung und Begleitung von Schiffen der Bundesmarine eingestellt.
- – 28.06. Auf Einladung des Arbeitskreises Reserveoffiziere (AKRO) Kiel weilen erstmalig Vertreter der 4. Flottille in Kiel (KzS Fechner, KzS Sohn, FK Kromrey). Am 27.06. wird durch KzS Fechner ein Vortrag in der Hermann-Ehlers-Akademie zur Entwicklung der Volksmarine/ 4. Flottille gehalten.
Juli 1990
Mit Inkrafttreten der Wirtschafts- und Sozialunion mit der BRD ab 01.07.90 mehren sich besonders bei den Offizieren Befürchtungen bezüglich ihrer weiteren Perspektive in der NVA.
- – 11.07. Besuch des Brigadegenerals a.D. Manfred Opel im Verband. Das Besuchsprogramm umfasst Schiffsbesichtigungen und Gesprächsrunden.
19.07. Die bisherige Kokarde an der Uniform mit DDR-Enblem wird gegen eine einfache schwarz-rotgoldene ausgetauscht.
20.07. Der aktiv dienende Personalbestand der Flottille wird bei einer Musterung neu vereidigt. Der neue Fahneneid resultiert aus einem Beschluss der Volkskammer der DDR.
22.07. Sicherstellung des ersten gemeinsamen Konzertes des Stabsmusikkorps der VM und des Marinemusikkorps Ostsee der Bundesmarine durch das Schiff 241 am Liegeplatz 99 in Warnemünde.
25.07. Besuch des Wehrbeauftragten des Bundestages, Alfred Biehle, und des Soldatenbeauftragten der NVA, Hahn, in der Flottille. An Bord von 243 kommt es während einer Ausbildungsfahrt in See zu angeregten Gesprächen mit der Besatzung.
30.07. Auf Befehl des CVM wird die öffentliche Nutzung des Hafens Darsser Ort wieder eingestellt. Trotz angebrachter Verbotszeichen und nautischer Veröffentlichung des Verbotes befinden sich auch weiterhin täglich 30 – 40 Segler im Hafen. Eine Durchsetzung des Verbotes der öffentlichen Nutzung ist nicht mehr realisierbar. Ab 20.08. werden mit Genehmigung des Chefs des Stabes der VM alle Kontrollpflichten durch die 4. Flottille eingestellt (personell nicht mehr abzusichern).
August 1990
Die weiteren politischen Schritte zur deutschen Einheit, das Tempo bei der Ausarbeitung des 2. Staatsvertrages und Medienmeldungen über Stellung und Perspektiven der NVA im vereinten Deutschland führen zu erhöhter Verunsicherung der Berufssoldaten hinsichtlich ihrer Zukunft. Grundsätzliche informative Fernschreiben des MfAV über die Lage in der NVA und die Hauptrichtungen des Inhaltes des Staatsvertrages sind oft widersprüchlich und können die Lage nicht beruhigen. Die Hauptanstrengungen der Kommandeure sind auf die Aufrechterhaltung von Sicherheit und Ordnung, schwerpunktmäßig auf die Sicherheit von Waffen und Munition, sowie die Objektsicherung gerichtet. Das Diensthabende System (DHS) wird bis auf die B-Schiffsgestellung im Hafen eingestellt.
01.08. Eine Delegation der Deutschen Marinetechnik GmbH Kiel besichtigt Kampfschiffe der Flottgille
08.08. Der Berater des MfAV, Bundestagsabgeordneter Egon Bahr, besichtigt den Verband und führt an Bord von 241 Gespräche mit den Besatzungsangehörigen.
09.08. 30 Besatzungsangehörige der Fregatte „Niedersachsen“ der Bundesmarine besuchen die Besatzung des KSS „Halle“.
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– 17.08. Besuch der Marinekameradschaft Salzburg aus Bad Oynhausen. Zum Besuchsprogramm gehört eine Ausbildungsfahrt mit 241 in See.
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– 23.08. Delegationen des Stabes Innere Führung der Bundesmarine und der verteidigungspolitische Sprecher der CDU/DSU-Fraktion des Deutschen Bundestages, Wilz, besuchen den Verband. Neben einer Ausbildungsfahrt in See mit 241 finden Besichtigungen und Gespräche statt.
25.08. Entlassungen: 90 UaZ, 111 SaZ, 93 Soldaten im GWD. Zugeführt werden 43 UaZ ohne Spezial-Lehrgang. 31 Soldaten im GWD erklären sich bereit, weiter Zivildienst leisten zu wollen. Der Stand der personellen Auffüllung zwingt zu weiteren Einschränkungen in der Einsatzbereitschaft und Ausbildung. Personell einsatzklar sind nur noch 221, 241, 343, 344, K41, K42, S 41 und A 441. Der Befehl zur vollständigen Auflösung der Organe Staatsbürgerliche Arbeit und der Entlassung aller in diesen Organen tätigen Angehörigen bis zum 15.10.1990 trifft ein. Mit der Führung des Auflösungsprozesses wird der Stellv./SC beauftragt.
29.08. Eine Delegation der Abteilung Marinerüstung des Bundesverteidigungsministeriums besichtigt Technik der Flottille. Das Schulschiff S 41 läuft mit 43 Offiziersschülern zur Ausbildungsfahrt „Ostsee“ aus. Die Häfen Leningrad und Gdynia werden angelaufen. In Leningrad besucht Admiral Hoffmann das Schulschiff.
September 1990
Die Festlegungen des 3. Oktober als Tag der Wiedervereinigung und die Gerüchte und Ankündigungen zur unsicheren Perspektiver der Berufskader bestimmen entscheidend die
Diskussionen. Auch die offiziellen Verlautbarungen zur weiteren Behandlung der NVA führen zu verstärkter Verunsicherung der Armeeangehörigen und zu sozialen Ängsten. Die Auflösung des Bereiches Staatsbürgerliche Arbeit (SBA) erfolgt entsprechend Befehl 26/90 des MfAV und seine mündlichen Präzisierungen bis zum 30.09. Entsprechend Anlage zum Einigungsvertrag werden bis zum 30.09. 11 uniformierte weibliche Armeeangehörige aus dem aktiven Wehrdienst entlassen und auf Zivilplanstellen eingesetzt. 9 Armeeangehörige über 55 Jahre beenden den aktiven Wehrdienst und gehen in die befristete erweiterte Versorgung. Weitere Armeeangehörige und Zivilbeschäftigte, die bis zum 02.10.1990 das
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Lebensjahr erreicht haben können sich bis zum 31.12.1990 für die Möglichkeit der befristeten erweiterten Versorgung bzw. des Vorruhestandes entscheiden.
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– 04.09. Besichtigung der Flottille durch leitende Offiziere der Bundesmarine
04.09. Die Gestellung des gemeinsamen Vorpostensystems der Verbündeten Ostseeflotten laut Dokument BALTIKA wird beendet. Letzter Vorposten 72 war das HMAW-Schiff 343.
05.09. Besuch des Inspekteurs der Bundesmarine, Vizeadmiral Mann, in der 4. Flottille
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– 18.09. Abrüstung der Fla-Raketensysteme OSA-M von den Projekten 1159 und Überführung von Raketen und Technik nach Baltijsk. Abverfügung der gesamten Chiffriertechnik der 4. Flottille
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– 24.09. Abrüstung aller Kampfsätze Wasserbomben, Artillerie- und Gewehrmunition von Bord. Abverfügung aller Bestände nach Selz in das Zentrale Munitionslager der VM
10.09. Eine Delegation des Bundesministeriums für Forschung und Entwicklung besichtigt das HMAW-Schiff 344.
- – 13.09. Eine Delegation des Schiffes 243 besucht den Zerstörer „Bayern“ in Wilhelmshaven.
15.09. Die personelle Auffüllung der Flottille beträgt bei UaZ 47,5%, bei SaZ 13,2% und bei Soldaten im GWD 113% zum Soll. Die Vorbereitung aller Maßnahmen zur Übernahme der 4. Flottille in den Bestand der Bundesmarine bestimmen die militärische Tätigkeit bis zum 03.10.
- – 26.09. Eine Delegation des Zerstörers „Bayern“ besucht die 4. Flottille.
Oktober 1990
02.10. Musterung des Personalbestandes der 4. Flottille zur Verabschiedung von den Traditionen der Volksmarine/ Flottille. Einholen der Staatsflagge der DDR und der Dienstflaggen der Volksmarine. Entfernung des Namensschildes „Wilhelm Pieck“ vom Schulschiff S41
03.10. Tag der deutschen Einheit, Vorheißen der Staatsflagge der BRD und der Dienstflaggen der Bundesmarine, Eintreffen der Kommandeursgruppe der Bundesmarine unter Leitung von KzS Kämpf
04.10. Erstes Vertrautmachen der Kommandeursgruppe mit Struktur und Einrichtungen der Flottille
05.10. Flottillenmusterung zur Kommandoübergabe von KzS Fechner an KzS Kämpf. Die Musterung wird vom Kommandeur des Marinekommandos Rostock, Flottillenadmiral Horten, geleitet
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