Die sechziger Jahre
Namensgebung 1961, Modernisierung in Kronstadt, Verlegung nach Warnemünde, Orkanfahrt 1967.
1960
Die KSS werden als UAW-Schiffe klassifiziert und den Sicherungskräften der Volksmarine zugeordnet.
Auf Befehl des Ministers für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Willi Stoph Stoph, wurde die KSS-Brigade (KSSBr) aufgestellt. Der Chef der KSSBr untersteht zeitweise direkt dem Chef der SSK. Mit Brigadebildung ändern sich erneut die Bordnummern: 50/1 behält Bordnummer 401, 50/2 erhält 601, 50/3 die Nummer 502 und 50/4 die Nummer 702.
Teilnahme des Stabes der KSSBr an einer gemeinsamen Nachrichten-Übung der Verbündeten Ostseeflotten (VOF) des Warschauer Vertrages
Die KSS „Karl Liebknecht" und „Friedrich Engels" nehmen anläßlich der „Woche des Meeres“ an einer Flottenparade in der VR Polen teil. Der Besuch wird von Konteradmiral Ehm geleitet.
Zweiseitige, zweistufige Kommandostabsübung der Verbände der SSK mit Nachrichtenmitteln unter Teilnahme des Stabes der KSSBr
KSS „Karl Liebknecht“ ist zur Aufklärung des Manövers „Wallenstein II“ eingesetzt. Dazu hatte das Schiff in Erwartung der in die Ostsee einlaufenden Manöverteilnehmer vorher mehrere Tage vor Kühlungsborn in Bereitschaft gelegen.
Flottenübung der SSK der DDR unter Teilnahme der KSSBr
KSS „Karl Liebknecht“ schießt vor Warnemünde Salut beim Empfang eines polnischen Flottenbesuchs-Verbandes
Auf Beschluss des Ministerrates der DDR wird der KSSBr die Truppenfahne verliehen.
Teilnahme von 3 KSS (Schiff „Karl Marx“ in der Werft) an einer Flottenparade im Greifswalder Bodden anlässlich der Namensverleihung „Volksmarine" an die Seestreitkräfte der DDR durch den Minister für Nationale Verteidigung, Generaloberst Heinz Hoffmann. Das Flaggschiff des Verbandes ist das KSS „Ernst Thälmann“. KSS „Friedrich Engels“ schießt Ehrensalut.
Ein verkürzter Stab der KSSBr. nimmt an einer Kommandostabsübung der Verbündeten Ostseeflotten teil.
Die KSSBr wird im täglichen Dienst der 1. Flottille unterstellt. Operative Einsätze und Fahrten außerhalb der Verantwortungszone der Volksmarine werden weiterhin vom Kommando der VM geführt.
1961
Verleihung der Ehrennamen an die vier KSS in Saßnitz bei Anwesenheit von Rosa Thälmann, der Witwe Ernst Thälmanns: 50/1: Bord - Nr. 401: „Ernst Thälmann“; 50/2: Bord - Nr. 601: „Karl Marx“ 50/3: Bord - Nr. 502: „Karl Liebknecht“; 50/4: Bord - Nr. 702: „Friedrich Engels“. Da sich das KSS „Karl Liebknecht“ seit Anfang Januar in der Werft befindet, nimmt dessen Kommandant, Kapitänleutnant Wittrien, das Namensschild in Saßnitz in Empfang.
Bei der Überfahrt von Saßnitz zur Neptunwerft in Rostock kollidiert das KSS „Karl Marx“ im dichten Nebel mit dem norwegischen Tanker „Viebran“. Der Wachoffizier des Schiffes hatte kurzzeitig die Brücke verlassen, um persönlich den Kommandanten über die Wetterverschlechterung zu informieren. In diesem Moment tauchten die Lichter des norwegischen Tankers auf. Rätselhaft blieb, warum der Kollisionsgegner nicht auf dem Bildschirm der Station „Don“ ausgemacht wurde.
Überprüfung der Gefechtsbereitschaft der KSSBr. durch das KVM
2 KSS nehmen als darstellende Kräfte an einer gemeinsamen Kommando-Stabsübung der VOF teil.
KSS nehmen an einer Flottenübung der VM und mit zwei Schiffen an einer gemeinsamen Reedeübung der verbündeten Ostseeflotten teil. Während der Manöver läuft KSS „Ernst Thälmann“ mit hochrangigen Militärs in Baltijsk ein. Hier rettet der Artilleriegast Stabsmatrose Fritz Butter einen Jungen vor dem Ertrinken. Er wird vom Minister für Nationale Verteidigung der DDR mit der „Verdienstmedaille der NVA“ in Bronze ausgezeichnet. Das KSS verbleibt bis zum Rücktransport der Militärdelegation in Baltijsk.
Truppenbesuch des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR Walter Ulbricht. Von Bord des KSS „Friedrich Engels“ aus verfolgen er und seine Begleitung Vorführungen von Einheiten der Volksmarine in See und überzeugen sich vom Niveau der Kampf- und Gefechtsbereitschaft der Einheiten.
Die „Friedrich Engels“ als Flaggschiff und drei MLR sind Teilnehmer eines offiziellen Flottenbesuches in Gdynia, der unter Leitung von Kapitän zur See Streubel steht.
Während der Veränderung des Grenzregimes der DDR zur Bundesrepublik Deutschland und zu Westberlin („Mauerbau“) sind die KSS als Reserve des CVM vorgesehen. Vermutlich zur Aufklärung handelt KSS „Friedrich Engels“ am 15. und 16.08. im Arkonabecken.
Operativ-strategische Übung der Vereinten Streitkräfte
Der GA IV des KSS „Karl Marx“ wird als „Bester Gefechtsabschnitt“ der Volksmarine ausgezeichnet.
Überfahrt der KSS „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ zur Modernisierung nach Kronstadt
Mit Ministerbefehl wird die KSSBr in eine selbständige KSS-Abteilung (SKSSA) umgewandelt und der 1. Flottille unterstellt.
1962
Werftliegezeit der „Ernst Thälmann“ und der „Karl Marx“ in Kronstadt. Die Schiffe erhalten den neuen Gittermast. Modernisiert wird die Ortungstechnik und die UAW-Bewaffnung.
Die „Karl Liebknecht“ und die „Friedrich Engels“ nehmen zusammen mit sowjetischen und polnischen Einheiten an einer gemeinsamen Reedeübung teil.
KSS „Karl Liebknecht“ als Flaggschiff und drei MLR Typ Krake sind Teilnehmer des ersten offiziellen Flottenbesuches der Volksmarine in der UdSSR (Leningrad). Der Verband wird von Konteradmiral Neukirchen geleitet.
Flottenübung der Volksmarine in der westl. Ostsee und gemeinsame Übung „Baltyk-Odra“ vor der Küste der VR Polen. An beiden Übungen sind KSS beteiligt. Zusätzlich erfüllt KSS „Friedrich Engels“ eine sicherstellende Aufgabe in Szczecin.
Die „Karl Liebknecht“ schießt auf Reede Warnemünde Salut beim Empfang eines Besuchsverbandes der BF.
Während der Kuba-Krise ist die SKSSA in Voller, später in Erhöhter Gefechtsbereitschaft. Zeitweilig liegen die KSS „Karl Liebknecht“ und „Friedrich Engels“ mit aufgestiegenem Abteilungsstab in 30-Minuten-Bereitschaft in der Tromper Wiek.
Zur Auswertung des Ausbildungsjahres 1962 wird die „Karl Liebknecht“ durch den Minister für Nationale Verteidigung als „Bestes Schiff“ der Volksmarine und mit der Verdienstmedaille der NVA in Silber ausgezeichnet.
Die Kampfschiffe der Volksmarine erhielten eine neue Nummerierung nach Typkräften. Ab diesem Zeitpunkt führten die KSS immer mit 100 beginnende Nummern: 50/1 - „Ernst Thälmann“ Bordnummer 101; 50/2 - „Karl Marx“ Bordnummer 102; 50/3 - „Karl Liebknecht“ Bordnummer 103; 50/4 - „Friedrich Engels“ Bordnummer 104.
1963
Modernisierung der „Karl Liebknecht“ und der „Friedrich Engels“ in Kronstadt. Die Modernisierung betrifft vorrangig die Ortungstechnik und die UAW-Bewaffnung.
Mit der erneuten Formierung einer 6. Flottille als Verband der Stoßkräfte wird die SKSSA dieser Flottille unterstellt. Am Gründungsappell nehmen auch die beiden modernisierten KSS „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ teil.
Navigationsbelehrungsfahrt der „Ernst Thälmann“ und der „Karl Marx“ über Pfingsten. Die Route führt durch den Öresund entlang der schwedischen und norwegischen Küste bis Kap Lindesnaes und weiter mit Südkurs die dänische Küste entlang bis zum Feuerschiff Esbjerg. Nach Versorgung in der Jammerbucht erfolgt der Rückmarsch durch den Großen Belt.
Teilnahme der Schiffe „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ an der gemeinsamen Übung „Flut-63“ in der VR Polen
1964
Die KSS „Karl Liebknecht“ und „Friedrich Engels“ sind als darstellende Kräfte an einer gemeinsamen Stabsübung mit Nachrichtenmitteln beteiligt.
Teilnahme eines KSS an einer Stabsübung der Volksmarine mit Nachrichtenmitteln
KSS „Karl Liebknecht“ und „Friedrich Engels“ nehmen an einer gemeinsamen Reedeübung von Kräften der BF, PSKF und VM teil.
Teilnahme der KSS „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ an den Feierlichkeiten zur „Woche des Meeres“ der PSKF
Aufklärungsfahrt der „Karl Liebknecht“ in das Skagerrak
Eine Jugenddelegation der Ungarischen Volksarmee weilt zu Besuch auf dem KSS „Friedrich Engels“
Teilnahme der SKSSA an der Flottenübung „Woge“ der VM
Teilnahme von KSS an der einlaufenden Flottenparade zum 15. Jahrestag der DDR in Rostock-Warnemünde. Das Schiff „Karl Marx“ schießt Ehrensalut.
Zum Abschluss des Ausbildungsjahres 1963/64 zeichnet der Minister für Nationale Verteidigung das KSS „Karl Marx“ als „Bestes Schiff“ und mit der Verdienstmedaille der NVA in Bronze aus. Die GA III und V des KSS „Ernst Thälmann“ werden von ihm als „Beste Gefechtsabschnitte“ ausgezeichnet.
1965
Aufklärungs- und Navigationsbelehrungsfahrt der „Karl Liebknecht“ und der „Friedrich Engels“ entlang der norw. Küste bis zum 60. Breitenparallel und zur englischen Küste über den Null-Meridian (Seegebiete: Nördl. Nordsee, Ostküste England, Deutsche Bucht)
Besuch der KSS „Karl Liebknecht“ und „Friedrich Engels“ zur „Woche des Meeres“ in Gdynia. Dabei ist die „Karl Liebknecht“ Teilnehmer einer gemeinsamen Flottenparade der VOF. Den Besuch leitet Vizeadmiral Ehm.
Walter Ulbricht (Staatsratsvorsitzender) und Willi Stoph (Ministerpräsident) besuchen anlässlich der Ostseewoche die Volksmarine und fahren auf KSS „Friedrich Engels“ von Rostock nach Saßnitz.
KSS sind als Zieldarstellung an einer taktischen Übung der Stoßkräfte der VOF beteiligt.
Der sowjetische Kosmonaut Oberst Pawel Beljajew ist Gast auf dem KSS „Karl Marx“
Verlegung der SKSSA von Saßnitz nach Warnemünde. Führungswechsel von der 6. auf die 4. Flottille. Der Truppenteil wird nicht mehr als „selbständige“ sondern nur noch als KSSA geführt. Der Truppenteil-Status bleibt erhalten. Die Bordnummern ändern sich wie folgt: 50/1 - „Ernst Thälmann“ Bordnummer 121; 50/2 - „Karl Marx“ Bordnummer 122; 50/3 - „Karl Liebknecht“ Bordnummer 123; 50/4 - „Friedrich Engels“ Bordnummer 124.
1966
Beim Auslaufen aus dem Pinnegraben kollidiert das KSS „Karl Marx“ im Warnemünder Seekanal mit einem Minol-Binnentanker und einer Motor-Klappschute. Der Steven des KSS wird eingedrückt. Die Reparatur erfolgt durch die Neptun-Werft im Stützpunkt Warnemünde
Teilnahme von KSS als darstellende Kräfte an einer Stabsübung der VOF
In Begleitung von E. Honecker besichtigt eine ungarische Partei- und Regierungsdelegation unter Leitung von Janos Kadar von KSS „Karl Marx“ aus Vorführungen der Volksmarine in See. Die „Karl Marx“ wird durch die „Ernst Thälmann“ begleitet.
Teilnahme von KSS an der gemeinsamen Übung „Baikal“. Aufgaben sind die Sicherung eines Landungsgeleites und die Bekämpfung von Landzielen
Navigationsbelehrungsfahrt der KSS „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ in die Nordsee. Das Überschreiten des Nullmeridians wird mit einer zünftigen Meridiantaufe begangen.
1967
In seiner Funktion als Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates beobachtet E. Honecker vom KSS „Friedrich Engels“ aus Vorführungen der VM in See.
Teilnahme von KSS an der Flottenübung „Taifun“ der Volksmarine
Die KSS werden zu spät von einem U-Jagd-Abschnitt abgerufen und beweisen ihre seemännische Meisterschaft während des bis dahin stärksten Orkans in der Ostsee seit 1801.
Anläßlich des 50. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution beteiligen sich die KSS „Karl Marx“ und „Karl Liebknecht“ an einer Flotten-Parade in Leningrad.
Auslaufende Parade im Seekanal von Warnemünde zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution zusammen mit Einheiten der Baltischen Rotbanner-Flotte. Flaggschiff ist das KSS „Karl Liebknecht“, das in Höhe Passagierkai in Warnemünde im Seekanal zwischen Tonnen vertäut ist. Heftiger Wind aus West droht das Schiff in die Fahrrinne zu drücken. Mit Schlepperhilfe und Zusatzleinen bis zur Pier kann die Position gehalten werden.
1968
Teilnahme des Stabes der KSSA an der Kommandostabsübung „Rügen“
KSS „Karl Marx“ überführt eine Arbeitsgruppe des Kommandos der VM unter Leitung des Chefs des Stabes, Konteradmiral Streubel, nach Baltijsk. Aufgabe der Gruppe: Vorbereitung des Manövers „Sewer“
Teilnahme der KSSA als darstellende Kräfte an der Kommandostabsübung „Sewer“ des Warschauer Vertrages
Im Zusammenhang mit dem Einmarsch von Truppen des Warschauer Vertrages in der CSSR handelt die KSSA unter Bedingungen Erhöhter Gefechtsbereitschaft.
Letzte gemeinsame Seeausbildung aller 4 KSS Pr. 50
KSS „Karl Liebknecht" (123) wird außer Dienst gestellt. Die Bord-Nr. 123 übernimmt die „Friedrich Engels“ (vorher 124)
Die KSS „Ernst Thälmann“ und „Karl Marx“ sind Teilnehmer einer stehenden Flottenparade aus Anlass des 50. Jahrestages der Novemberrevolution.
1969
In der 4. Flottille erfolgt eine Inspektion durch das Ministerium für Nationale Verteidigung. Dabei wird auch die KSSA überprüft.
Während der Ostseewoche besucht Janos Kadar (1. Sekretär der ungarischen KP) die Volksmarine und weilt auch an Bord des KSS „Ernst Thälmann“.
Zwei KSS nehmen als darstellende Kräfte an der Kommandostabsübung „Triton“ teil, die der Vorbereitung des Manövers „Oder-Neiße“ dient
Die KSS „Ernst Thälmann“ und „Friedrich Engels“ nehmen am Manöver des Warschauer Vertrages „Oder-Neiße" teil.
KSS „Friedrich Engels“ ist Flaggschiff der stehenden Parade im Stadthafen Rostock aus Anlaß des 20. Jahrestages der Gründung der DDR. Die Vorführungen der Parade finden dabei bereits am 04.10. statt.
KSS „Friedrich Engels“ wird unmittelbar nach der Flottenparade außer Dienst gestellt. Danach wurden auf dem Schiff noch 1969 viele Szenen des DEFA-Filmes „Rottenknechte“ gedreht. Dazu wurden an Bord im Stützpunkt Warnemünde durch Werftpersonal kleinere Umbauten vorgenommen und Besatzungsmitglieder als Kleindarsteller und Statisten eingesetzt.
