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title: "Einkauf auf See"
autoren: ["Armeerundschau 3/65", "Dressel"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 11"
projekte: ["50"]
schiffe: ["Friedrich Engels"]
zeitraum: "1965"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t11-einkauf-auf-see"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Einkauf auf See

> Nachdruck einer Reportage aus der Armeerundschau 3/65 (Reporter: ein Herr Dressel). Während einer Übung der Volksmarine kommt abends ein Tanker längsseits des KSS „Friedrich Engels“ – ein „schwimmendes Kaufhaus“, das neben Kraftstoff und Trinkwasser auch Lebensmittel, Post, Zeitungen, Zigaretten und Getränke bringt, die der Pantry der Offiziersmesse für die Besatzung einkauft. Mit redaktioneller Einleitung zu den Zeitschriftenartikeln dieses Heftes.

> Anmerkung der Redaktion: Die beiden Artikel zum Projekt 50 und 1159 erschienen in der Armeerundschau 3/65 (Einkauf auf See; Reporter ein Herr Dressel) und 4/81 (Die besondere Rolle; Reporter Oberstleutnant Gebauer. Das zugehörige Bildmaterial ließ sich leider nicht mit besserer Qualität aus den Artikeln reproduzieren. Wieder einmal hat uns Wolfgang Peschenz mit Material aus dieser alten Zeitschriftenreihe versorgt. Wolfgang war Turbinenmeister auf der „Friedrich Engels“.

Es war bei einer Übung der Volksmarine. Die Gefechtsaufgaben des dritten Übungstages waren erfolgreich gelöst, der Schiffsverband ging abends auf Reede vor Anker. In der Offiziersmesse des KSS „Friedrich Engels“ erzählte mir der Leitende Ingenieur, Kapitänleutnant Gollaneck, von den hervorragenden Arbeitsleistungen seiner Maschinisten. In der Nacht zuvor hatten sie , während auf dem ganzen Schiff Ruhe herrschte, eine schwierige Reparatur ausgeführt. Ein Dichtungsflansch der Hilfszudampfleitung der zum Backbord-Turbogebläse war durchgeschlagen. Ein Kessel musste vorübergehend ausgeblasen werden. Der LI sprach begeistert von der aufopferungsvollen Arbeit des Kesselpersonals. Bei einer Hitze von über 60 Grad Celsius konnten die Genossen nur in kurzen Schichten arbeiten. Nach drei Stunden war der Schaden behoben. Der Kessel konnte wieder angefahren werden.

Während der LI erzählte, sah ich, wie der Pantry am anderen Ende des Tisches eifrig über seiner Kasse saß. Er zählte das Geld nach, rechnete und rechnete. Der Pantry ist gewissermaßen der Ober in der Offiziersmesse, ein Matrose, der für das leibliche Wohl der Schiffsoffiziere sorgt. Was rechnet er wohl, überlegte ich. Macht er einen Kassensturz? Das könnte ja sein, vielleicht sucht er ein Manko. Ich konnte mir nicht enträtseln, was er vorhaben möchte. Oder will er hier auf hoher See gar einkaufen gehen? „Heute Abend kommt der Tanker längsseits. Da muss ich doch sehen, wie viel Geld ich eingenommen habe und was ich dafür wieder kaufen kann“, erklärte er freundlich lächelnd. Ich lächelte ebenso freundlich zurück, obwohl mir immer noch nicht so recht klar war, was er wohl beim Tanker einkaufen könnte. Kraftstoff?

*Abbildung (Teil 11, S. 13): [ohne Bildunterschrift – Foto: Tanker längsseits eines KSS]*

Da half mir der LI aus der Verlegenheit und erklärte mir, dass der Tanker nicht nur Kraftstoff mitbringt. „Wenn wir längere Zeit auf See sind, brauchen wir auch viele andere notwendige Dinge wie Lebensmittel, Post und Zeitungen. Und die Pantrys kaufen für die Besatzung auch Getränke, Zigaretten, Briefmarken… Ein Tanker ist wie ein schwimmendes Kaufhaus, in dem wir alles einkaufen können, was wir auf See dringend benötigen. Sie können sich ja mal ansehen, wie das vor sich geht. er Tanker muss gleich kommen.“

Gegen 20 Uhr war es dann soweit. Vom Westen her, aus der untergehenden Sonne heraus, lief der Tanker auf die „Friedrich Engels“ zu. Die Maschinisten an Bord bereiteten schon die Schläuche vor für die Übernahme von Kraftstoff und Trinkwasser. Der LI prüfte, wie viel Heizöl das Schiff braucht.

Nach dem Anlegemanöver wurden an Backbord die Leinen festgemacht. Erste Begrüßungsworte flogen hinüber und herüber. Die wachfreien Matrosen des KSS warteten neugierig auf die Grüße von Land. Die einen auf einen Brief von der Ehefrau oder Freundin, die anderen auf Zeitungen, Zigaretten oder Erfrischungsgetränke, der Smutje auf neue Produkte und der Filmvorführer auf neue Filme, die er den wachfreien Matrosen vorführen kann.

Obermatrose Kirchner vom Artillerieabschnitt, einer der herumstehenden Matrosen, sagte mir: „Wenn der Tanker kommt, das ist für uns immer ein besonderer Tag. Jeder erwartet, dass er ihm etwas mitbringt. Deshalb stehen wir hier so neugierig herum.“ Inzwischen hatte Stabsmatrose Weigold den Übernahmestutzen in die Öffnung an Oberdeck eingeschraubt und den dicken Schlauch, der ihm vom Tanker herübergereicht wurde, angeschlagen. Die Pumpen begannen zu arbeiten. Tonnenweise floss das Heizöl in den hungrigen Schiffsbauch. Währenddessen wurden auch die anderen mitgebrachten Güter an Bord gehievt. Kartons, Kisten, Zeitungspakete sah ich und einige Sack Gemüse, frische Radieschen und Kohlrabi. Unter denen, die die kostbaren Lasten ins Innere des Schiffes trugen, erkannte ich auch meinen Pantry wieder. Er hatte schon einige Pakete mit Zigaretten und Süßigkeiten eingekauft und schleppte jetzt Getränke, gleich zwei Kisten auf einmal. Freundlich wie immer lächelte er mir zu: „Möchten Sie gleich eine Flasche haben?“
