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title: "Vorsicht – Zollkontrolle!"
autoren: ["Hans Steike"]
quelle: "Marinekameradschaft KSS e.V., KSS-Broschüre Teil 5"
zeitraum: "1970er–1980er Jahre"
url: "https://die-geschichte-von-kss.de/geschichten/t05-vorsicht-zollkontrolle"
lizenz: "Texte unverändert; Rechte bei Marinekameradschaft KSS e.V. und den Autoren. Siehe https://die-geschichte-von-kss.de/quellen"
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# Vorsicht – Zollkontrolle!

> Nach einem Flottenbesuch muss das Schiff vor Warnemünde bis Tagesanbruch auf Reede ankern. Der Wachoffizier erzählt dem GA-III-Kommandeur Leutnant Jürgen A., der reichlich Goldschmuck eingekauft hat, der Rostocker Zoll wolle das Schiff überprüfen – worauf dieser in Panik seine Beute hinter Blechverkleidungen, im Munibunker und auf Gefechtsstationen versteckt. Erst auf der Pier merkt er, dass er veräppelt wurde. Dieser Beitrag fehlt im Inhaltsverzeichnis der Broschüre.

Flottenbesuche im Ausland waren ja immer auch Gelegenheit, das einzukaufen, was es bei uns zu Hause gar nicht, selten oder preislich ungünstiger gab. In der Sowjetunion war zum Beispiel Gold deutlich billiger als bei uns, von der reichen Auswahl an Goldschmuck ganz zu schweigen. Gern eingekauft wurden auch preiswertes Werkzeug, Bohrmaschinen, Kühlschrankwürfel, Spielzeug und typisch russische Souvenirs wie Holzgeschirr oder Babuschkas. Das Angebot in Polen war preislich ähnlich wie bei uns und deshalb nicht ganz so interessant. Geschliffene, verschiedenfarbige Römer, Wein- und Sektgläser aus der Markthalle in Gdynia waren hier die Renner. Den Zoll brauchte man nicht zu fürchten. Wir wurden weder im Ausland noch beim Einlaufen in der Heimat kontrolliert.

Wieder einmal war so ein Besuch oder eine Sonderaufgabe beendet. Die Ansteuerung Warnemünde wurde um Mitternacht erreicht. Aus irgendeinem Grund erhielten wir keine Einlaufgenehmigung sondern vom OP-Dienst die Weisung auf Reede zu ankern und erst bei Tageslicht einzulaufen. Vielleicht hatte das hochrangig besetzte Empfangskomitee keine Lust, seinen Schlaf zu unterbrechen und sich in der kalten Nacht auf der Pier die Beine in den Bauch zu stehen.

An Bord war bekannt, dass der GA-III-Kommandeur des Schiffes, Leutnant Jürgen A., mehrere Goldläden heimgesucht und kräftig eingekauft hatte. Etwas prahlerisch hatte er seine Beute überall herumgezeigt. Mittelwächter. Leutnant A., der während der Ankunft vor Warnemünde noch seelenruhig in seiner Koje geruht hatte, kam zum HBS, um sich zu erkundigen, warum das Schiff nicht eingelaufen ist. Seelenruhig erklärte ihm der Wachoffizier, dass der Befehl zum Ankern deshalb gegeben worden sei, weil bei Tagesanbruch der Rostocker Zoll auf Reede das Schiff einer gründlichen Überprüfung unterziehen wollte. Nun brach bei Jürgen Panik aus. Er scheuchte den Sperrmaaten hoch und ließ sich allerlei Werkzeug bringen. In Kammer 5 wurden Platten der Blechverkleidung gelöst und einige Schmuckstücke dahinter verborgen. Andere Stücke versteckte er im Munibunker und auf Gefechtsstationen des GA-III. Jürgen bemühte sich besonders um eine breite Streuung seiner Verstecke, um wenigstens Teile seiner Beute zu retten. Natürlich bekam er dabei äußerst „hilfreiche“ Hinweise von seinen scheinbar mitleidigen und mitfühlenden Kameraden.

Als die Morgendämmerung hereinbrach, erschien Jürgen wieder auf dem HBS mit der Frage, ob es denn schon präzisere Angaben zur geplanten Kontrolle gäbe. Immer wieder schaute er gespannt mit dem Glas in Richtung der Warnemünder Molen. Das Schiff ging Anker auf, ohne dass sich der Zoll hatte sehen lassen. Jürgen blieb unruhig. Vielleicht findet die Kontrolle ja im Stützpunkt statt? Erst als er als Leiter der Manövergruppe Schanz im Empfangskomitee auf der Pier keine Zollbeamten entdecken konnte, schwante ihm, dass man ihn wohl veräppelt hatte. Trotz der vielen Verstecke soll der Schmuck vollzählig wieder gefunden worden sein.

— Hans Steike
